Motorschaden?

Hier können Reperaturfragen gestellt werden. Wie wird was wieder repariert?

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Doppelzentner
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Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 25. November 2019, 19:21

Guten Abend liebe Schraubergemeinde.
Ich bin ja seit kurzem Besitzer einer äußerst verwarlosten XL 500S. (von der der Vorbesitzer behauptete, sie liefe tadellos, als er angefangen hat sie zu zerlegen) Heute habe ich mich aus langeweile kurzerhand entschlossen das öl abzulassen und den kupplungsdeckel mal abzunehmen. Schon das mir entgegenkommend Öl war nicht gerade vertrauenerweckend. Sehr zäh, sehr schwarz, leicht glitzernd.
Und dann das Grauen. Stücke (ich konnte auch einen kompletten Zahn identifizieren... Denke ich) am Sieb. Siehe dazu Foto. Aufmachen müssen werd ich den Motor wohl auf alle Fälle (schade). Gibt es zu dem Thema bereits ein evtl sogar mit Bildern versehenes Thema? Konnte über die SuFu nix gescheites finden.
Zudem hab ich an einigen Stellen so eine Art Risse entdeckt. (Foto) ist das ein Schaden oder ist das einfach so?
Wie siehts da mit Ersatzteilen aus? Habt ihr Quellen, wo man noch Getriebe Teile findet?
Hoffe ihr könnt mir n paar Ratschläge dazu geben.
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Freundliche Grüße,
Karl-Louis

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 25. November 2019, 19:22

Der Zahn und "knubbis", von denen ich dachte, sie seien dreck/ Späne, die aber fest sind. Fand ich auch im Schacht vom Sieb.
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Karl-Louis

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Kristian
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Re: Motorschaden?

Beitrag von Kristian » 26. November 2019, 14:08

Hmm, ist schwer mit gutem Rat aus der Ferne.

Etwas Abrieb unter dem Sieb findest du eigentlich in allen XLs.
Wenn die Vorgänger über 30tkm 5x Ölwechsel machten ohne jemals den Seitendeckel abzunehmen und unten auszuwischen kann sich diese Menge schon ansammeln.

Die Suche sollte sich nun auf den/die Splitter konzentrieren, wo kommen die her?
Versuche diese zu finden!

Bevor du Panik machst und evtl. unnötig alles zerlegst (und auch nichts findest) würde ich den Kopf-Deckel abnehmen und den Zustand der NoWe und NoWe-Lagerung prüfen, da kommt i.d.R. der meiste Abrieb her.

Die Steuerkette schlackert auch gern und erzeugt Anrieb am Gehäuse, dies ist gut zu sehen.
Ich hatte es sogar schon dass das kleine quer rüber gehende Ölröhrchen von der Kette halb durchgescheuert wurde.
Ne neue Steuerkette ist auf jeden Fall empfohlen.
Prüfe auch die Funktion des autom. Steuerkettenspanners.
Bub, bub, bub...

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Gunnar_HH
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Re: Motorschaden?

Beitrag von Gunnar_HH » 26. November 2019, 19:09

Ja, Herr Doppelzentner (ohne Vornamen),

wärst du mal zum Hamburger-Stammtisch gekommen, dann hättest du einige Kollegen kennenlernen können.

Ich sehe keinen Zahnverlust. Ich sehe ein Sieb, dass wahrscheinlich noch nie gesäubert wurde.
Ich sehe auch keine Risse. Mache mal eine Markierung auf den Bildern.
Wieso liegt der ganze Motor jetzt auf der Werkbank. Was hast du vor? :eek:
Ich persönlich würde den Motor erst intensiver auseinander nehmen, wenn er stärkere metallische Geräusche macht.
Wie Kristian schon schrieb, das Ölkanalröhrchen oberhalb des Primärritzels kontrollieren, Ausgleicherkette einstellen, Öl rein, Sieb rein, neue Deckeldichtung rein, Deckel wieder drauf (Achtung: Hebel vom Dekomechanismus beachten), Luftfilter reinigen, neue Zündkerze-Stecker-Kabel.
Und Weiterfahren und berichten. Nach 1000 km erneut Ölwechsel (verkürztes Intervall).

Gruß Gunnar
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Der Großbaum hat immer Recht, erst danach kommt, was der Skipper sagt.
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Re: Motorschaden?

Beitrag von Jörg » 26. November 2019, 19:17

Hallo, der meiste Schmock kommt wohl von der Steuerkettengleitschiene und einigen Kunstoffteilen aus dem Motor von hier und da.
Alles nicht lebensgefährlich aber ich würde den Motor komplett zerlegen.
Leider ist der Zustand der Schiene von aussen nicht einzusehen.
Mann kommt aber an das untere Ende der Steuerkette auf der Spannerseite, die Kettenseite wo unten eine M6er Schraube steckt, hier mal versuchen ob die Kette schon wackelt, dann ist Sie verschlissen und muß eh neu.
Gleitschiene schwer zu beschaffen, das sind die Flanken re. und li. abgebroselt und das ist der Dreck im Öl.

Gruß Jörg

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 26. November 2019, 20:55

Mea culpa Gunnar.
Ich heiße Karl-louis :)
Ich hatte vor, zum November Stammtisch zu kommen. Leider musste die Familie dazwischengrätschen :(
Ich habe den Motor auf der Werkbank, da ich ihn eh ausgebaut habe zwecks pulverbeschichtung des Rahmens und anderer Teile. Ich habe mich heute mal hingesetzt und von oben nach unten angefangen zu zerlegen. Mit folgenden Erkenntnissen: die gleitschienen sehen ganz schön mitgenommen aus (daher kommen wohl die länglichen Stücken), die Steuerkette hat ganz schön am Gehäuse gescheuert, das öl Röhrchen sieht jungfräulig aus.
Die Nockenwellenlager im Deckel sehen(für mein Laienauge) in Ordnung aus. Die im Kopf haben riefen.
Auf dem Kolben sind zwei Halbmondförnige "ditscher" mit wulst (glaube nicht, dass die da hin gehören) der Kolben hat wohl den einen oder anderen Kipper gehabt. Das Hemd ist ganz schön verschrammt. Die Laufbuchse hat optische riefen.
Das auf meinem Finger ist die pampe, die ich aus dem Boden der Lima-Abdeckung gewischt habe.
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Karl-Louis

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 26. November 2019, 20:56

Der schock und die laufflächen
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Karl-Louis

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 26. November 2019, 20:57

Der ditscher im Kolben
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Re: Motorschaden?

Beitrag von Dominik » 27. November 2019, 11:45

Hallo Karl-Louis,

einen Motor mit dieser Laufleistung und diesem Alter macht man in den seltensten Fällen auf und wieder zu, ohne ihn zu überholen. Dessen muss man sich bewusst sein, bevor man die erste Schraube losdreht ...

In deinem Fall ist eine Überholung allerdings wirklich notwendig. Einen kapitalen Motorschaden kann ich aber auch nicht erkennen. Aber eine dringend überfällige Revision.

Die wirklich positive Sache zuerst:
- Die Nockenwellenlager sehen für meine Begriffe brauchbar aus. Selbst die Kipphebellaufflächen sehen nicht so schlimm aus. Allerdings können Bilder leicht täuschen.
- Und die Schrauben, die in deinem Deckel herumbaumeln, sehen aus wie original M6-Schrauben. Dann sind die Gewinde vielleicht auch noch nicht vermurkst :-) !
- Die Risse, die du meinst, sind vermutlich nur die Oberflächenstruktur des Gusses, die beim Abkühlen entsteht. Das sind keine echten Risse. Sieht nur so aus.
- Nicht so gut: Man sieht häufig, dass die Ventile auf dem Kolben aufgesetzt haben. In deinem Fall sind die Spuren aber sehr heftig. Das sieht nicht so schön aus

Im Prinzip hast du wahrscheinlich eine ganz gute Basis für eine Totalrevision. Du musst aber mit 1.000 bis 1.500 Euro rechnen (schätzungsweise). Nur das nötigste reparieren und wieder zusammenschrauben ... das würde ich bei diesem Motor nicht machen. So wie der Motor aussieht, hat er eine Totalrevision verdient - und könnte auch eine fruchtbaren Boden dafür bieten.

Folgende Dinge würde ich mir auf die Liste schreiben:
- Kolben + Bolzen
- Zylinderhonen
- Steuerkette neu
- Kippehebel (?) + Kipphebelwellen
- Nockenwelle (?)
- Ventilsitze fräsen
- Ventilführungen (?)
- Ventile (?) (könnten leicht krumm sein)
- Pleuelauge!! Das ist häufig eingelaufen und relativ teuer zu reparieren. Du musst entweder die KW zerlegen (lassen) und das Pleuel tauschen (besser!) oder eine Buchse für das Pleuelauge anfertigen lassen (vielleicht günstiger).
- KW-Hauptlager (?)
- Kompletter Dichtsatz
- Kickstarterrückholfederfeder
- Simmerring Getriebeausgangswelle
- Ausgleicherkette (?)

In Anbetracht der Kosten und des Aufwands solltest du natürlich zunächst den Motor komplett zuerlegen und genau prüfen. Wenn zum Beispiel der Zylinderkopf unrettbar hin ist oder noch weiterer Reparaturaufwand hinzukommt (zum Beispiel weil der Kopf einen Riss hat), kann es schnell unwirtschaftlich werden. Deswegen: Erst einen genauen Überblick verschaffen!

Entscheidend ist dabei vor allem der Zylinderkopf. Wenn der noch gut ist bzw. Instandzusetzen ist (Risse, Gewinde, Ventilsitze, Nockenwellenlager) ist die Basis schon recht gut. Danach die Kurbelwelle prüfen. Die kann auch hohe Kosten verursachen. Der Rest ist weniger kritisch.

1.500 Euro nur für einen alten Motor ist natürlich ein Haufen Geld. Wenn alles gut gemacht ist, ist er danach aber (technisch) wie neu! Das ist eigentlich ein ganz schönes Gefühl ;-)

Viele Grüße + viel Erfolg,
Dominik

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Dominik » 27. November 2019, 11:55

Und tu mir bitte noch einen Gefallen :wink: :

Arbeite sorgfältig! Motoren mit einer guten Basis sind inzwischen selten. Mit dem Motto "Ach, ich mach das billig-billig. Wird schon halten" sind sie schnell unrettbar vermurkst. Und das ist wirklich schade. Selbst wenn das ganze Mopped nur 300 Euro gekostet hat.

Grüße,
Dominik

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 27. November 2019, 12:38

Ich werd mich die Tage mal ransetzen, erstmal alles gründlich sauber machen und mir alles genau anschauen und das was ich messen kann mal messen.
wie kann es denn dazu kommen, dass die Ventile so hart auf den Kolben klatschen? kann sowas durch ne gelängte Steuerkette kommen?
neuen Kolben und Zylinder Hohnen steht schon auf der Liste, Steuerkette hab ich schon bestellt :) und den rest der Liste werd ich auch mal zur Kontrolle übernehmen.
vielen dank dafür Dominik :)

Die Gewinde sehen soweit alle noch sehr gut aus.

Billig-Billig hab ich nicht vor. Zwar so viel wie möglich selbst machen, um es einigermaßen im Rahmen zu halten, aber die Figelinschen sachen geb ich lieber zum Fachmann (Hohnen/Ventilstze, Pleul etc.)


auf jeden Fall schonmal vielen Dank für die vielen Antworten. und sorry wegen der Panik :frown: aber bisher waren alle Motoren, die ich in der Hand hatte mit Stückchen drin auch kapital im Eimer. Man könnte also sagen es war ein Flashback zum Simson-schrauben :mrgreen:

Grüße, Karl-Louis
Freundliche Grüße,
Karl-Louis

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 27. November 2019, 12:43

heute wird erstmal der Rahmen, Schwinge und kleinteile vom Pulvern abgeholt und dann kann ich meinen "Teile-die-warten-tisch" etwas Leeren um dort eine "Motorteile-die-warten-fläche" zu eröffnen.
Freundliche Grüße,
Karl-Louis

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Dominik » 27. November 2019, 14:12

Hast du das Original WHB von Honda? Wenn nicht, dann schreibe mir doch mal kurz eine PN ;-).
wie kann es denn dazu kommen, dass die Ventile so hart auf den Kolben klatschen?
Eine gelängte Steuerkette allein führt wahrscheinlich noch nicht dazu. Eher in der Kombination mit überdrehen. Vielleicht hat der Vorbesitzer mal den falschen Gang reingetappt? Auf die Weise kann man sehr kurz, sehr heftig überdrehen.

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Re: Motorschaden?

Beitrag von Doppelzentner » 27. November 2019, 14:41

Ich hab das Reperaturhandbuch vom Bucheli-Verlag.
Das wurde mir zumindest immer wieder empfohlen.

hm ja das mit dem Überdrehen klingt Sinnig.wie gesagt, mit Ventilen hab ich so viel noch nicht zu tun gehabt :)

mit grüßen,
Karl-Louis
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Re: Motorschaden?

Beitrag von Dominik » 27. November 2019, 14:55

Das Original WHB von Honda ist um Welten besser! Konkret ist der Bucheli ohnehin nichts anderes als eine Zusammenfassung des Originals. Halt nur ca. 20 Prozent davon. Und auch mit einigen Fehlern drin :( .

Schick mir doch einfach mal deine Mail-Adresse.

Grüße,
Dominik

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