Zustand Motor?

Hier können Reperaturfragen gestellt werden. Wie wird was wieder repariert?

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Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 7. Oktober 2020, 14:27

Moin,

im Rahmen meiner Restauration, habe ich mir heute morgen mal den Motor auf den OP Tisch geholt.
Laut Vorbesitzer lief dieser bis zum Stillstand vor 20 Jahren noch.

Nun, dann erstmal ran und geöffnet.
Da wurde ich schon Stutzig, da zwischen Ventildeckel und Zylinderkopf keine Dichtung saß.
Muss das so?
Naja, also weiter.
Die Ventilhebel-Kippwelle hat schon ein paar Spuren. Macken an den Enden, wo sie die Ventile kontaktiert.
An den Schleifteller, welche an der Nockenwelle entlangstreifen, kleine Spuren.
Die Nockenwelle selbst hat da schon mehr Spuren.
Ein Paar Riefen und eine Macke. sieht aus, als sei die beim Aus oder Einbau mal hingefallen?!

Der Kolben selbst sieht eigentlich ganz gut aus, trägt die Prägung N1.
Aber er hat 2 Kerben im Bereich der Ventile. seiht aus, als hätten diese geklemmt und der Kolben sei dagegen geschlagen/gedrückt.
Die Ventile selbst lassen sich aber einwandfrei mit etwas Kraft in den Führungen bewegen.

Was sagt Ihr zu den Spuren?
kann man das noch retten?

hier mal ein Paar Bilder.
Sie liegen alle in Meinem OneDrive Ordner in hoher Auflösung um mehr Details zu erkenne und bis ich begriffen ahbe, wie ich direkt Fotos hier einbinden kann.

https://1drv.ms/u/s!AnrN5pkWXApjgYsBNYP ... A?e=lHw2cM

Vielen Dank für Eure Tips.

lg
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Re: Zustand Motor?

Beitrag von peter » 7. Oktober 2020, 20:30

WurlitzerOMT hat geschrieben:
7. Oktober 2020, 14:27

Da wurde ich schon Stutzig, da zwischen Ventildeckel und Zylinderkopf keine Dichtung saß.
Muss das so?
Ja das muss so !

Gruss Peter

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 7. Oktober 2020, 20:51

ok, kommt da auch keine Dichtpaste oder sowas dazwischen?
Was hälst Du von den anderen beschriebenen Problemen?
Ich meine ich mache da keine Weltreise mehr mit, aber möchte dennoch ungern viel zeit und Geld in die Maschine setzen und dann fliegt mir der Motor komplett um die Ohren in 3 Monaten.
Was würdet Ihr mir empfehlen?

lg

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von Zorc22 » 7. Oktober 2020, 22:18

Moin,
zu den Kerben im Kolben : zweifelsfrei haben die Auslaßventile gegen den Kolben geklopft. Vermutlich Steuerkette übergesprungen, das kommt hier wohl öfter vor. Deswegen solltest du auf jeden Fall die Lose der Steuerkette kontrollieren, oder gleich eine neue einbauen ( weiß leider wovon ich rede :( )
Deine Ventile scheinen ja nicht krumm zu sein und du schreibst das die Ventile frei in den Führungen laufen . Dann wurden sie nach einem Schaden schon einmal ersetzt . Andererseits sieht die Stelle im Kolben sauber und frisch aus. Ich würde genaustens kontrollieren ob die Ventile gerade sind bzw sauber abdichten. Dann Lose der Steuerkette kontrollieren, ebenso Zustand der Steuerkette. Ob die Steuerzeiten stimmten kannst du ja nun nicht mehr kontrollieren.
Gruß
Roger
Zuletzt geändert von Zorc22 am 8. Oktober 2020, 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von hiha » 8. Oktober 2020, 07:11

Die Ventile würd ich auf Rundlauf prüfen, und wenns nicht weit fehlt (ein paar Hundertstel) auf einer Ventilschleifmaschine nachschleifen lassen, das ist nicht teuer. Die Einstellschrauben musst Du tauschen, der eine Kipphebel ist eigentlich fällig, aber da die Nockenwelle auch nicht mehr neuwertig ist, kann man ihn schon noch verwenden. Die Macken in der Nockenwelle solltest Du mit einem (harten) Ölstein abziehen, kein Schleifpapier verwenden.
Neue Ventilschaftdichtungen, wobei die Ablagerungen auf den Ventilen eher auf verschlissene Kolbenringe hindeuten. Wenn Du den Zylinder ziehst, fotografiere die Position der Kolbenringe, und falls Du ihn so wieder zusammenbauen willst, dreh die Ringe auf diese Positionen, ausser sie liegen völlig daneben, bzw. auf einer Linie. Für den Ölverbrauch ist hauptsächlich der dreiteilige Ölabstreifring zuständig, und da besonders der Expanderring. Das Ringstoßspiel hingegen macht da nicht viel aus.
Auslassseitig stimmt zumindest eine Ventilfeder nicht, die enger gewickelte Seite gehört nach unten, auch bei den Innenfedern. Das würd ich auf alle Fälle richtig zusammenbauen.
Gruß
Hans

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 8. Oktober 2020, 08:02

Vielen Dank für die Tips schonmal.
Ich habe nebenan direkten Zugriff auf Highend dreh und Fräsmaschinen (Airbus, Boeing Mercedes etc.)
Könnte ich mir die Nockenwelle dort nachdrehen lassen und dann wieder härten?
Die Einsteller für ventilspiel zu fertigen wäre auch ohne probleme machbar.
wie seht Ihr das?
wenn das dann gehärtet wird, sollte das doch in Ordnung sein, oder?

Generell kann ich aber den Kopf noch benutzen? die Spuren der Nockenwelle, wo diese hier Kontakt hat wäre in Ordnung?

lg
rainer

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von hiha » 8. Oktober 2020, 09:24

Da brauchts schon spezielle Maschinen. Die Druckschrauben müssen einen spezifischen Kuppenradius haben, die könnte man ohne Nachhärten aufarbeiten. Ich mach das mit dem Geradschleifer und einer Radiuslehre (den Radius der XL-Schrauben weiß ich grad nicht) Gehärtet ist üblicherweise nur der vordere Teil, das Gewinde sollte zäh bleiben. Ausserdem kosten die ja nix. Alle vier zusammen sollten bei ca. 20.- liegen.
Nockenwelle kann man nicht ohne eine Musterwelle (oder CNC-Daten) nachschleifen, auch nicht bei Boeing oder Benz. Manuell drüberzupfen mit einem Ölstein muss reichen. Ich hab zwar eine Nockenwellenkopiermaschine, aber keine neue Meisterwelle. Wenn Du die Lagerstellen nachschleifst, sind sie zu klein, da hilft dann auch kein Härten. Fürs induktive Härten der Nocken muss man extra einen Induktor bauen, und ein entsprechendes Induktionsgerät haben, das ist für eine Welle zu viel Äktschn. Nitrieren ginge auch, ist aber nicht das Gleiche.
Die Lagerstellen im Kopf sehen noch ganz gut aus. Bitte nicht mit Schleifpapier drüber gehen.

Gruß
Hans

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 8. Oktober 2020, 11:31

Ok,
könntest Du mir sagen, wo ich die Druckschrauben neu kaufen kann?
Will da keinen China schrott verbauen.
Die Nocke schleif ich dann vorsichtig mit nem Ölstein nach.
Wo findet man sowas?

Die Lagerstellen lass ich dann unberührt.

Ventile würde ich herausnehmen, vermessen, neue Schaftdichtungen rein, Federn richtig herum, einschleifen und wieder einsetzen.

was sagt Ihr zum Kolben? die Spuren vom ventileinschlag verstehe ich nicht so ganz, denn an den Ventilen finde ich keinerlei Spuren.
Vielleicht wurde da ein neuer Kopf draufgesetzt?
Der derzeitige Kopf hat Helicoils verbaut. das sieht mir aber sehr stümperhaft gemacht aus.
Gibt es da bessere Systeme? (Im Holzberecih gab es mal Rampamuffen. die hatten aussen- und Innengewinde. Gibt es sowas bei Metall auch?)

lg

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von Zorc22 » 8. Oktober 2020, 12:11

WurlitzerOMT hat geschrieben:
8. Oktober 2020, 11:31

was sagt Ihr zum Kolben? die Spuren vom ventileinschlag verstehe ich nicht so ganz, denn an den Ventilen finde ich keinerlei Spuren.
Vielleicht wurde da ein neuer Kopf draufgesetzt?
Der derzeitige Kopf hat Helicoils verbaut. das sieht mir aber sehr stümperhaft gemacht aus.

lg
Moin,
wie ich oben schon schrieb : wenn die Ventile in Ordnung sind dann wurden sie ( oder der Kopf ) schon getauscht. Es sind eindeutig Eindrücke der Auslaßventile. Der Kolben selbst bzw die Lagerung nimmt im Allgemeinen keinen Schaden.
Helicoil ( oder andere Anbieter ) sind im Kopf das erste Mittel der Wahl.
Gruß
Roger
Zuletzt geändert von Zorc22 am 8. Oktober 2020, 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von hiha » 8. Oktober 2020, 13:48

Es sind die Auslassventile. Dem Kolben ist das bei so leichten Einschlägen wurscht, und da die Ventile aus Stahl sind, sieht man da meist auch garnix, sie haben dann bloß verbogene Teller und dichten nicht mehr, bzw dichten zwar noch, aber nur auf kräftigen Federzug. Dann brechen sie irgendwann durch Ermüdung...
Die Schrauben gibts beim Hondahändler, Ölstein empfehle ich einen harten Arkansas (gibts auch in weich, die sind ungeeignet) oder einen feinen Diamant-abziehstein mit Körnung 1000-2000 bzw. Korngröße 40µ. Auch geeignet ist eine ebene(!) Metallplatte als Schleifpapierauflage. Schleifpapierfeile nennt man das dann auch. Wasserschleifpapier ab Körnung 600 geht zum Abziehen der Nocken.

Das metallerne Rampamuffen-Äquivalent ist unter dem Namen Ensat® der Fa. Kerb-Konus bekannt. Ich bevorzuge Helicoils, die tragen nicht so auf, und wenn sie anständig eingesetzt wurden, halten sie genausogut. Besser wären nur die Würth-TimeSert, aber die Einbausätze sind so teuer, da scheue ich die Anschaffung.

Gruß
Hans

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von Zorc22 » 8. Oktober 2020, 17:07

@Hans : jetzt wo ich nochmal genau hinschaute - du hast recht es ist vorne, also Auslaßventil.
Was mich jedoch wundert, weil ja die Einlaßventile größer sind ( 35 zu 30 mm ) und daher eher auf den Kolben schlagen.
So hatte ich es zumindest bei 2 Motoren. Wieso also setzten zuerst die kleineren AV auf ?
Beim letzten Schaden hatte ich 4 Aufsetzer, aber die kleineren AV waren noch heile, die EV krumm. Siehe Bild
@Wurlitzer : auf dem Kolben steht übrigens nicht N1 , sondern IN ( also Ein - für Einlaßseite ).
Dachte da jetzt spontan an den Witz wegen dem 710 Deckel.
Gruß
Roger
kokoll.jpg
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Re: Zustand Motor?

Beitrag von hiha » 8. Oktober 2020, 17:27

Wenn die Steuerkette überspringt oder reisst, setzen die nächstbesten Ventile auf, die halt grad im Weg stehen...
Gruß
Hans

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 18. Oktober 2020, 14:11

Hallo und danke für Eure Infos.
Ich habe den Motor mal einen Hauch weiter zerlegt und habe folgendes vorgefunden:

https://1drv.ms/u/s!AnrN5pkWXApjgYtEOXb ... Q?e=BUArJm
https://1drv.ms/u/s!AnrN5pkWXApjgYtJU1j ... Q?e=hYhwbM

was denkt Ihr darüber?

Die Kolbenringe sehen meiner Meinung nach noch ganz gut aus, würd ich aber dennoch ersetzen.
Der Kolben selbst hat an der Vorderkante paar Spuren unten. Denke da hat der Vrobesitzer Ihn auf das SChraubgewinde fallen lassen. die Spuren passen in etwa.
Im Bereich des OT haben die Kolbenringe minimalste Spuren an der Zylinderwand hinterlassen.

Wenn ich die Kippbewegung des Kolben gegenüber dem Kolbenpin mache, dann hat er minimal Spiel. die genauen Maße müsste ich dann mal nehmen und mit dem Handbuch vergleichen, ob noch in der Toleranz.

Der Kettenspanner sieht eigentlich noch ganz gut aus. kann der Brechen udn sollte erneuert werden?
https://1drv.ms/u/s!AnrN5pkWXApjgYtKu7l ... w?e=9PqQYb

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von hiha » 18. Oktober 2020, 14:33

Der Zylinder ist verschlissen, die Ringe haben auch schon ziemlich was hinter sich. Im Prinzip kann man das zwar wieder zusammenbauen, ich schätze aber, dass sie sich ganz schön was an Öl genehmigt. Ringe allein würde ich bei so einer glänzenden Laufbuchse nicht wechseln, sondern aufs nächste Übermaß gehen. Neue Ringe laufen sich da nicht mehr ein.
Gruß
Hans

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Re: Zustand Motor?

Beitrag von WurlitzerOMT » 18. Oktober 2020, 14:51

Danke für Deine Antwort,

kannst Du mir jemanden Empfehlen, der mir den Motor überholt und in etwa sagen was ich dafür kalkulieren müsste?

lg

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