Motor zerpflückt und nun?

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XLs_Phil
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Motor zerpflückt und nun?

Beitrag von XLs_Phil » 6. Januar 2021, 17:15

Hallo zusammen,

Ich besitze die 81er XLs nun seit April 2020 und bin seit dem nur ein paar hundert km gefahren.
Aufgrund von komischen Geräuschen habe ich meinen Motor mal ausgebaut und zerlegt. Aber jetzt gehts an die Beurteilung des Ist-Zustandes und dafür brauche ich euch. :wink:

Ich versuche alles möglichst genau darzustellen, ich hoffe die Länge des Textes schreckt niemanden ab. ;-)

Der Vorbesitzer hat 1995 bei ca. 30.000km einen neuen (Übermaß-) Kolben verbauen lassen, die Rechnung gab er mir sogar mit. In den folgenden 25 Jahren wurde die XL nur knapp 1000km bewegt. Er erzählte mir was von Drittmotorrad, keine Zeit usw., machte mir gegenüber aber einen sehr seriösen und ehrlichen Eindruck.

Nach dem Kauf habe ich mich um die typischen Dinge wie den verrosteten Krümmer, die zu dunklen Blinker, die uralten Reifen und eben Bremsen, Öl usw. gekümmert worauf hin sie dann auch auf Anhieb die Hauptuntersuchung bestanden hat. Soweit so gut. In den folgenden Wochen kamen dann weitere Kleinigkeiten wie eine ausgeschlagene Nadeldüse, was aber auch schnell behoben wurde. Das Fahren machte jede Menge Spass, vor allem auf matschigen Feldwegen :), jedoch hörte sich der Motor für mich nicht allzu gesund an... ich hörte ein klapperndes Geräusch, konnte es aber nicht genau einordnen. Ich habe dann mehrfach die Steuerkette und Ausgleicherkette nachgespannt und die Ventile eingestellt (ja, im richtigen OT ;-)), was leider nichts gebracht hat. Ansonsten ist das Fahrverhalten und der Durchzug ok, Höchstgeschwindigkeit liegt aber nur bei ca. 100 - 110 km/h.
Daraufhin habe ich mir einen billigen Kompressionstester zugelegt, der aber leider so niedrige Werte anzeigte bei denen der Motor eigentlich garnicht mehr hätte laufen können.

Vermutung: Steuerkette evtl übergesprungen und die Ventile küssen den Kolben...

Nun habe ich den Motor mal zerlegt. Steuerkette ist scheinbar nicht übergesprungen, der Kolben weißt dennoch deutliche Einschläge der Einlassventile auf. Kolben ist richtig herum montiert. Die Ventile sehen aber grade aus. (Hab sie im Akkuschrauber drehen lassen)
Bild

Frage 1: Sind es wohl die selben Ventile die auch für die Schäden am Kolben verantwortlich sind oder wurden hier schonmal neue verbaut? Das würde ja der Aussage des Verkäufers wiedersprechen.

Frage 2: Könnte die Steuerkette so stark gelängt sein, dass sie die Ursache des Problems ist? Die Steuerkette ließ sich ganz leicht (1-2mm) vom Kettenrad abheben. Neue Kette kommt aber in jedem Fall rein.

Frage 3: War die Zylinderkopfdichtung evtl so dünn, dass die Ventil deshalb dem Kolben zu Nahe kamen? (Mit schwarzem Papier ummantelte Blechdichtung, im Bereich der Laufbuchse mehrlagiges Blech)


Weiterhin sind alle 4 inneren Ventilfedern leicht Untermaß. Ersatz ist nicht einfach zu bekommen, daher werde ich sie wohl weiter verwenden, es sei denn ihr habt noch Ideen wo man passende her bekommt.

Als ich schonmal dabei war hab ich auch den Zylinder gezogen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, weisen Kolben und Laufbuchse Spuren auf (nicht fühlbar), in der Laufbuchse ist aber auch noch ein Kreuzschliff zu erkennen. Erlich gesagt kann ich aber auf Grund mangelnder Erfahrung nicht sagen ob das nun "gut" oder "schlecht" aussieht, bzw. ob ein neuer Kolben rein sollte oder nicht.
Laut Vorbesitzer ist jetzt der erste Übermaßkolben drin (89,25mm). Ich habe dann mal den Kolben und die Laufbuchse mit einem Messschieber gemessen (ja, ich weiß, das liefert keine genauen Ergebnisse). Ich messe überall 89,5mm, sieht also eher nach zweitem Übermaß aus.
Bild Bild Bild Bild
Die Spuren an Kolben und Laufbuchse sind nur in Fahrzeuglängsachse vorhanden und nicht quer dazu.

Frage 4: Kann ich den Kolben so noch weiterfahren oder seht ihr hier Probleme? (zu hohes Einbauspiel? Kolbenkipper?)


Thema Nockenwelle:
Die alte Nockenwelle ist Untermaß, deshalb kommt jetzt eine neue Israel Nocke rein (von der ich hier aber leider auch schon negatives gelesen habe :evil: ). Die Lagerschalen in Kopf und Deckel sind, hoffe ich, noch brauchbar. Bei den Preisen für die Nockenwelle werde ich das aber erstmal versuchen bevor ich den Kopf für teuer Geld überholen lasse. (400€ bei Scheuerlein, meine ich hier mal gelesen zu haben)


Als ich die alte Steuerkette ausbauen wollte ist mir noch aufgefallen, dass da dieses kleine Ölröhrchen raus muss. Habe hier im Forum von dem Trick mit der Spax Schraube gelesen.... bei mir hat aber schon mal jemand ein M5 Gewinde reingeschnitten.

Frage 5: Da ich nicht weiß wie das original aussieht, frage ich mich jetzt ob die Bohrung vielleicht zu groß ist und das Röhrchen getauscht werden sollte. Falls jemand die Maße hat, könnte ich mir das evtl. nach drehen lassen.


So, das wars erstmal von meiner Seite aus. Ich bin gespannt auf eure Antworten und Meinungen.

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Re: Motor zerpflückt und nun?

Beitrag von volkerxl » 6. Januar 2021, 22:04

XLs_Phil hat geschrieben:
6. Januar 2021, 17:15
Hallo zusammen,

Ich besitze die 81er XLs nun seit April 2020 und bin seit dem nur ein paar hundert km gefahren.
Aufgrund von komischen Geräuschen habe ich meinen Motor mal ausgebaut und zerlegt. Aber jetzt gehts an die Beurteilung des Ist-Zustandes und dafür brauche ich euch. :wink:

Ich versuche alles möglichst genau darzustellen, ich hoffe die Länge des Textes schreckt niemanden ab. ;-)

Der Vorbesitzer hat 1995 bei ca. 30.000km einen neuen (Übermaß-) Kolben verbauen lassen (auf der Kolbenoberseite muss dann ein zweistellige Zahl zu finden sein. 25/50/75), die Rechnung gab er mir sogar mit. In den folgenden 25 Jahren wurde die XL nur knapp 1000km bewegt. Er erzählte mir was von Drittmotorrad, keine Zeit usw., machte mir gegenüber aber einen sehr seriösen und ehrlichen Eindruck.

Nach dem Kauf habe ich mich um die typischen Dinge wie den verrosteten Krümmer, die zu dunklen Blinker, die uralten Reifen und eben Bremsen, Öl usw. gekümmert worauf hin sie dann auch auf Anhieb die Hauptuntersuchung bestanden hat. Soweit so gut. In den folgenden Wochen kamen dann weitere Kleinigkeiten wie eine ausgeschlagene Nadeldüse, was aber auch schnell behoben wurde. Das Fahren machte jede Menge Spass, vor allem auf matschigen Feldwegen :), jedoch hörte sich der Motor für mich nicht allzu gesund an... ich hörte ein klapperndes Geräusch, konnte es aber nicht genau einordnen. Ich habe dann mehrfach die Steuerkette und Ausgleicherkette nachgespannt und die Ventile eingestellt (ja, im richtigen OT ;-)), was leider nichts gebracht hat. Ansonsten ist das Fahrverhalten und der Durchzug ok, Höchstgeschwindigkeit liegt aber nur bei ca. 100 - 110 km/h.
Daraufhin habe ich mir einen billigen Kompressionstester zugelegt, der aber leider so niedrige Werte anzeigte bei denen der Motor eigentlich garnicht mehr hätte laufen können.

Vermutung: Steuerkette evtl übergesprungen und die Ventile küssen den Kolben... hättst du ja im montierten Zusant prüfen können

Nun habe ich den Motor mal zerlegt. Steuerkette ist scheinbar nicht übergesprungen, der Kolben weißt dennoch deutliche Einschläge der Einlassventile auf. Kolben ist richtig herum montiert. Die Ventile sehen aber grade aus. (Hab sie im Akkuschrauber drehen lassen)
Bild

Frage 1: Sind es wohl die selben Ventile die auch für die Schäden am Kolben verantwortlich sind oder wurden hier schonmal neue verbaut? Das würde ja der Aussage des Verkäufers wiedersprechen. ich meine das ist so aus der Ferne schwer zu beurteilen

Frage 2: Könnte die Steuerkette so stark gelängt sein, dass sie die Ursache des Problems ist? Die Steuerkette ließ sich ganz leicht (1-2mm) vom Kettenrad abheben. Neue Kette kommt aber in jedem Fall rein. auf jeden Fall viel zu lang. sollte sich überhaupt nicht abheben lassen

Frage 3: War die Zylinderkopfdichtung evtl so dünn, dass die Ventil deshalb dem Kolben zu Nahe kamen? (Mit schwarzem Papier ummantelte Blechdichtung, im Bereich der Laufbuchse mehrlagiges Blech) nein an der Dichtung kann es nicht liegen. Sonderbare Dichtung. Ich kenne die Pappdichtung und die mehrlagige Metalldichtung (die unbedingt so neu beschaffen). Ob du dazu mal ein Bild zeigen kannst?


Weiterhin sind alle 4 inneren Ventilfedern leicht Untermaß. ist oft so. Ersatz ist nicht einfach zu bekommen,oder fast gar nicht mehr original daher werde ich sie wohl weiter verwenden, es sei denn ihr habt noch Ideen wo man passende her bekommt. Peter fragen, die liest sowieso meistens mit :D

Als ich schonmal dabei war hab ich auch den Zylinder gezogen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, weisen Kolben und Laufbuchse Spuren auf (nicht fühlbar), in der Laufbuchse ist aber auch noch ein Kreuzschliff zu erkennen. Erlich gesagt kann ich aber auf Grund mangelnder Erfahrung nicht sagen ob das nun "gut" oder "schlecht" aussieht, bzw. ob ein neuer Kolben rein sollte oder nicht. sieht nicht wirklich schön aus. ich würde es überholen lassen, auch wenn ich nicht auf Weltreise gehe
Laut Vorbesitzer ist jetzt der erste Übermaßkolben drin (89,25mm) dann solltest du auf dem Kolben eine 25 finden Ich habe dann mal den Kolben und die Laufbuchse mit einem Messschieber gemessen (ja, ich weiß, das liefert keine genauen Ergebnisse). Ich messe überall 89,5mm, sieht also eher nach zweitem Übermaß aus. dann solltest du eine 50 finden
Bild Bild Bild Bild
Die Spuren an Kolben und Laufbuchse sind nur in Fahrzeuglängsachse vorhanden und nicht quer dazu.

Frage 4: Kann ich den Kolben so noch weiterfahren oder seht ihr hier Probleme? (zu hohes Einbauspiel? Kolbenkipper?) mindestens mal hoher Ölverbrauch und eine blaue Rauchfahne. Im schlimmsten Fall kommt dann der Fresser


Thema Nockenwelle:
Die alte Nockenwelle ist Untermaß, deshalb kommt jetzt eine neue Israel Nocke rein (von der ich hier aber leider auch schon negatives gelesen habe :evil: ). Die Lagerschalen in Kopf und Deckel sind, hoffe ich, noch brauchbar vielleicht auch ein Bild?. Bei den Preisen für die Nockenwelle werde ich das aber erstmal versuchen bevor ich den Kopf für teuer Geld überholen lasse. (400€ bei Scheuerlein, meine ich hier mal gelesen zu haben)


Als ich die alte Steuerkette ausbauen wollte ist mir noch aufgefallen, dass da dieses kleine Ölröhrchen raus muss. Habe hier im Forum von dem Trick mit der Spax Schraube gelesen.... bei mir hat aber schon mal jemand ein M5 Gewinde reingeschnitten. sollte mit zwei Fingern rauszuschieben sein. Da das Rohr für die Ölversorgung mit verantwortlich ist, lieber ersetzen

Frage 5: Da ich nicht weiß wie das original aussieht, frage ich mich jetzt ob die Bohrung vielleicht zu groß ist und das Röhrchen getauscht werden sollte. Falls jemand die Maße hat, könnte ich mir das evtl. nach drehen lassen.


So, das wars erstmal von meiner Seite aus. Ich bin gespannt auf eure Antworten und Meinungen.
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Re: Motor zerpflückt und nun?

Beitrag von XLs_Phil » 6. Januar 2021, 23:14

Alles klar, danke erstmal für deine Antwort.

Ich werde erst am Wochenende wieder Zeit für meinen Motor haben. Dann werde ich den Kolben mal reinigen und schauen ob ich eine Zahl darauf finden kann und ich guck mal ob ich die alte ZylKo Dichtung noch habe.

Den Zylinder werde ich dann nächste Woche zu Scheuerlein Motorentechnik schicken. Lieber jetzt einmal richtig und dann hoffentlich lange Ruhe haben.

Das Ölröhrchen hab ich bisher mit Heißluftfön, eingedrehter Schraube und Gripzange nicht rausbekommen. Nächster Versuch dann mit kleinem Ziehhammer. Das Röhrchen neu zu beschaffen scheint auch schwierig zu werden. Hab da noch 2 Kisten mit allen möglichen Teilen, vielleicht finde ich da noch eins.


Hier noch ein Bild von NoWe Lagerung im Kopf, vom Deckel habe ich grade keins.
Bild
Das rechte Lager auf dem Bild sieht am "schlimmsten" aus.

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peter
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Re: Motor zerpflückt und nun?

Beitrag von peter » 6. Januar 2021, 23:29

XLs_Phil hat geschrieben:
6. Januar 2021, 23:14

Das Röhrchen neu zu beschaffen scheint auch schwierig zu werden. Hab da noch 2 Kisten mit allen möglichen Teilen, vielleicht finde ich da noch eins.
neues Oelrröhrchen hab ich an Lager bei Interesse bitte um PN.

Gruss Peter
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Re: Motor zerpflückt und nun?

Beitrag von Gabriel » 7. Januar 2021, 16:13

Tach
Peter fragen, die liest sowieso meistens mit :D
Hehe, stimmt. Er läßt nix anbrennen. :D
Bringt dafür abba auch 'ne Spitzenperformance! 8) 8)
Gruß Gabriel
Mr. XL 2005 und XL600R PD03,
Aktueller Km-Stand: 229.000km
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"Wer friert, verliert (auch)!"
Gabi ist wasserfest - ich habs gesehen!

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