Ventilspiel

hier findet ihr die besten schraubertipps

Moderator: Kristian

Eichi
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Ventilspiel

Beitrag von Eichi »

Moin Leute,

das ist mal wieder der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Fahrerhandbuch: Achten Sie darauf, daß sich der Kolben am oberen Totpunkt befindet, indem Sie die Kipphebel mit ihren Fingern abfühlen.
Ich fühl und fühl, da wackelt nix. Eine Runde weiter, auch nix. Das Spielchen hab ich jetzt schon einige Runden gedreht. Immer alles bombenfest.
Gut, dann anders. Ich guck einfach mal ob die Lehre dazwischen passt oder nicht.

Das ist ein Gestocher und Gefummel, das glaubst du nicht.
Das Blättchen muss offenbar in einer ganz gewissen S-Krümmung da hineinbugsiert werden, ansonsten bleibt man ja überall hängen. Von spitz quasi im Stich nach Art der Musketiere verpiekst man sich immer írgendwo und elegant von der Seite müsste man das Blättchen vorn und hinten anfassen können, damit man dazwischen so eine Art Bogen bekommt, den man unter dem Spalt durchschiebt. Dafür ist natürlich kein Platz. Erst wollte ich's mit einer Hand schaffen (andere Hand für die Lampe), no way. Mit Stirnlampe wurd's aber auch nicht wirklich besser.

Einmal kurz hatte ich das Boris-Becker-Gefühl ("ich bin drin!"), beim kleinsten Wackeln war ich aber auch schon wieder draußen.
Wie soll man da eine saugende Bewegung hinkriegen? Waagrecht ist es zu eng für hin und her und wenn man leicht schräg zieht kriegt man Reibung, die sich natürlich wie saugend anfühlt. Dabei zieht man das Blättchen außerdem raus, weil schieben ja nicht geht mit dem dünnen Ding.
Ich bin gefrustet, dabei reden wir hier über zehntel Milimeter. Das heißt das muss schon wirklich genau stimmen am Ende.

Gibt es irgendwelche Tips und Tricks wie das zu bewerkstelligen ist, oder kann man's entweder oder man kann's nicht?
Dann kann ich's offenbar nicht. Ich würde das Spiel aber wenigstens gern mal kontrollieren, weil der Motor komplett neu gemacht wurde und jetzt gut tausend km gelaufen ist.

Vielen Dank im Voraus, sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen!
Viele Grüße, Eichi
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michael schmid
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Re: Ventilspiel

Beitrag von michael schmid »

Hallo,
das Gefummel kenne ich von meiner VF500, 4 Ventiler mit 4 Ventilen pro 125ccm Kolben.

Ich habe mir das passende Blatt der Fühlerlehre Unten um 80° abgebogen/geknickt.

Vielleicht hilft das auch Dir.

Gruß Michael
internette Grüsse aus der grünen Eifel

von Michael und seiner Honda

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Michael W.
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Michael W. »

Eichi hat geschrieben: 17. März 2023, 16:22Ich guck einfach mal ob die Lehre dazwischen passt oder nicht.
Das ist schlecht. Der Kolben muss beim Ventileinstellen schon auf dem OT-Punkt stehen, und zwar auf dem richtigen.
Links am Motordeckel die beiden Einstellschrauben herausdrehen. Mit der passenden Nuß die Kurbelwelle im Gegenuhrzeigersinn so lange drehen, bis die OT-Markierung erscheint. Dann fühlen, ob die Kipphebel Spiel haben. Wenn nicht, weiterdrehen bis die OT-Markierung wieder erscheint. Dann muss es stimmen, ansonsten war kein Spiel vorhanden.
Der Tip mit der gebogenen Fühlerlehre von Michael ist gut. Damit solltest Du unter die Einstellschrauben kommen. Wenn das Ventilspiel zu eng ist, kommst Du natürlich nicht unter die Schrauben. In dem Fall Mutter lösen, Einstellschrauben etwas herausdrehen und die Lehre flutscht darunter.

Viel Spaß, das klappt schon! :ja:
Gruss
Michael
PeterB
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Re: Ventilspiel

Beitrag von PeterB »

Moin Eichi,

man kann die Zündkerze rausdrehen und mit Hiilfe des Kickers versuchen, das Prinzip des Viertaktmotors zu verstehen. In welchem der vier Takte sollten Einlass- bzw. Auslassventile geschlossen sein, bzw. wann sollen die öffnen?

beste grüße
peterb
Eichi
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Eichi »

Genau das hab ich auch erwartet, dass am OT (Markierung am Guckloch) die Hebel so viel Spiel haben, daß sie mit den Fingern wackeln müssten. Da wackelt aber nichts. Nach einer (oder mehreren) 360* Drehungen auch nicht. So völlig verstellt können sie aber auch nicht sein, es läuft ja eigentlich alles gut. Bevor ich klassisch kaputt repariere lass ichs lieber da was zu verstellen. Den Trick mit dem unten Umknicken hört sich auf jeden Fall gut an!
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Jogi.R
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Jogi.R »

Moin Eichi,

die Deckelchen sind unten, die Ventile kann man sehen.

Drehe die Kurbelwelle mit einer 17er Nuss links herum.

Einmal hast Du am OT die Überschneidung: erst öffnen die Auslassventile (vor OT), danach die Einlassventile (nach OT).

Grob eine Umdrehung weiter sind beide Nocken nach unten gerichtet.
Das ist der Punkt,wo da Spiel sein muss.

Da der Motor gemacht wurde kann es schon sein, dass sich etwas gesetzt hat oder das Spiel schon nach der Instandsetzung nicht gepasst hat.
Der Schrauber hat auch keine extra Gelenke in den Fingern.

Drehe die Einstellschrauben ganz raus und schau, ob sie ventilseitig noch schön ballig sind.
Haben sie schon platte Flächen ist eine Einstellung fast nicht mehr möglich, da das Spiel sich bei der kleinsten Drehung der Schraube enorm verändert.
Da lohnen sich die 20€ für einen Satz Neue.

Frohes Schrauben und viel Erfolg - das wird schon.
Wenns nicht mehr klappert, ist es kaputt.
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hiha
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Re: Ventilspiel

Beitrag von hiha »

Zu wenig Ventilspiel ist ein Todesurteil für Nocken, Kipphebel und u.U. den ganzen Kopf.
Gruß
Hans
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Gunnar_HH
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Gunnar_HH »

Ok, beim ersten Mal ist es schwer und fummelig aber das übt.

Drama in vier Akten.

Erster Aufzug: Finde den richtigen OT.

Dazu die Zündkerze raus, die beiden Seitendeckel ab, die Ventildeckel ab, 17er Nuss auf die KW und drehen bis die Markierung T mit der Kerbe fluchtet. Jetzt oben auf die Kipphebel schauen und an der KW etwas vor und zurück drehen. Frage: Bewegen sich die Kipphebel etwas auf und ab? Ja = falscher OT. Nein=richtiger OT, genau hier soll die KW stehen bleiben.

Zweiter Aufzug: Erstes Ventil einstellen.

Mit 10er Ringschlüssel Sicherungsmutter lösen, mit Schlitzschraubendreher (Schlitzer) Hartmetallstift etwas heraus drehen. Passendes Fühlerlehrenblatt (Einlass 0,05 / Auslass 0,10) zwischen Ventil und Einstellstift bringen, eventuell das Blatt ein wenig zurecht biegen. Mit einem Schlitzer die Einstellschraube bis minimalsten Druck anziehen, Ausrichtung des Schlitzes merken. Lehrenblatt raus, Schlitzer wieder drauf in gleicher Orientierung und so halten, von <Hand die Mutter anziehen, Schlitzer ab, Ringschlüssel drauf, Schlitzer drauf zum Gegenhalten, Sicherungsmutter mit Ringschlüssel festziehen, dabei darauf achten, dass sich die Ausrichtung des Schlitzes nicht verändert.

- - Pause für Erfrischungen - -

Dritter Aufzug: Einstellen der weiteren Ventile.
Mit der Wiederholung kommt die Routine.

Vierter Aufzug: Kontrolle der Arbeit.
KW um 360′ drehen, jetzt sollte kein Spiel an den Kipphebel zu spüren sein, da Druck drauf ist. KW um weitere 360′ drehen, jetzt sollte der Auslasskipphebel sein Spiel von 0,1mm haben, am Einlass ist dann auch Spiel, aber nur "ein Hauch von". Nochmals die Sicherungsmuttern auf festen Anzug prüfen.
Danach Aufräumen und alle Deckel wieder zu.

- - Großer Applaus / Bravo Rufe / tiefe Verneigung - -


Viel Spaß mit den frisch eingestellten Ventilen / Gruß
Gunnar
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chevy v8
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Re: Ventilspiel

Beitrag von chevy v8 »

- - Pause für Erfrischungen - - :D
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Eichi
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Eichi »

War eigentlich ganz einfach, ich weiß garnicht was ihr wollt :D

Nein ernsthaft, vielen herzlichen Dank für eure Hinweise! Ich hab alles gebraucht bzw. genauso gemacht (und mich amüsiert) und dann ging's tatsächlich auch. Man muss geduldig raustüfteln, mit welcher Hand es von wo in welchem Winkel am besten geht und wie weit vorne/hinten das Blättchen anzufassen ist, das vorher in genau dem richtigen Winkel zurechtgebogen sein muss etc. Und mit dem Schlitzer durch den Ring festhalten, so Sachen muss man halt erstmal gehört haben.

Am schwierigsten war der Einlass in Fahrtrichtung links. Meiner Meinung nach war das dort und eins am Auslass einen Ticken zu eng. Wenn das Spiel zu eng ist, verballert man sich alles hab ich hier gelernt, was passiert wenn der Schlupf zu weit eingestellt ist?

Danach soll man ja den Dekozug neu einstellen. Der war wohl die ganze Zeit relativ lose, weil die Mutter (3) mit bei der Kontermutter war und nicht auf der anderen Seite. Dorthin versetzt saß der Zug dann aber schon von vorne herein ziemlich stramm. Finde ich auch anhand vom Fahrerhandbuch schwer zu ahnen wie die richtige Einstellung sein soll, wenn man es nicht mal gezeigt oder vernünftig erklärt kriegt. Spiel in welche Richtung denn, in oder gegen die Fahrtichtung? Mit etwas Kraft lässt er sich in beide Richtungen bewegen, ohne Kraft bewegt er sich praktisch garnicht. Habt ihr da vielleicht nochmal einen Tip?

Nochmals lieben Dank und einen schönen Sonntag!
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Michael W.
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Michael W. »

Der Hebel auf dem Bild wird durch die Federkraft im Uhrzeigersinn nach rechts gezogen (in Fahrtrichtung). Weiter nach rechts darf er nicht gehen, ein Anschlag innerhalb des Kopfes begrenzt ihn. Der Hebel muss natürlich leichtgängig sein. In der OT-Stellung muss nun dieses vorgegebene Spiel von 1-2 mm vorhanden sein. Der Hebel lässt sich um 1-2 mm gegen den Uhrzeigersinn nach links drehen (gegen die Fahrtrichtung).
Ist das Spiel zu eng, können schlimmstenfalls die Auslassventile nicht mehr richtig schließen. Motorschaden droht! :(
Gruss
Michael
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Gabriel
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Gabriel »

@ Eichi :
Applaus, Applaus!
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Gruß Gabriel
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Eichi
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Eichi »

Michael W. hat geschrieben: 19. März 2023, 20:20 Der Hebel auf dem Bild wird durch die Federkraft im Uhrzeigersinn nach rechts gezogen (in Fahrtrichtung). Weiter nach rechts darf er nicht gehen, ein Anschlag innerhalb des Kopfes begrenzt ihn. Der Hebel muss natürlich leichtgängig sein. In der OT-Stellung muss nun dieses vorgegebene Spiel von 1-2 mm vorhanden sein. Der Hebel lässt sich um 1-2 mm gegen den Uhrzeigersinn nach links drehen (gegen die Fahrtrichtung).
Ist das Spiel zu eng, können schlimmstenfalls die Auslassventile nicht mehr richtig schließen. Motorschaden droht! :(
Mich erinnert es ein bisschen an Leute, die zum ersten Mal motorisiert unterwegs sind. Wenn man denen sagt "Kupplung kommen lassen", wissen sie nicht was damit gemeint ist. Und wenn sie es wüssten, bräuchte man es ihnen nicht mehr zu erklären. :eek:

Stellt euch vor, ihr hättet keine Ahnung. Ich weiß, dass das schwierig ist, wenn man (wie hier manche) den Motor schon hundertmal von unten geteilt hat und dergleichen. Da ist dieses Hebelchen, das etwas Spiel in sämtliche Richtungen hat, wenn man mit dicken Fingern etwas fester daran wackelt. Der Beschreibung nach müsste es ja einen Unterschied machen, ob man am OT ist oder nicht. Merk ich schonmal nichts von. Dann die Sache mit dem einen Milimeter (Achtung, kapitaler Motorschaden). Ob da zum Beispiel ein Milimeter am Ende des Hebelchens gemeint ist oder 1cm darüber oder 2cm steht da nicht, macht aber natürlich einen riesen Unterschied.

Immerhin steht die Sache im Fahrerhandbuch, zusammen mit Luftdruck kontrollieren und solchen Sachen. Vielleicht ist es garnicht schlecht, das hier im Forum mal genau zu beschreiben. Auch für stille Mitleser und kommende Generationen, die sich dann nicht als Greenhorn outen müssen. :D

Ich danke euch herzlich!
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Gunnar_HH
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Gunnar_HH »

Das Ganze als Bild
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Mehr kann man da nicht erklären.
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Re: Ventilspiel

Beitrag von Eichi »

Das hab ich ja (trotzdem danke). Erklärt sich mir nicht. Wie gesagt taugt meiner Meinung nach die Beschreibung nur für die, die eh schon wissen wie es geht. Vielleicht war der Zug deshalb so gut wie ohne Spannung, dann kann scheinbar wenigstens nichts kaputt gehen.
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