Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Hier kann über alles Mögliche geplaudert werden was mit und um unsere XL zu tun hat

Moderator: Kristian

Zorc22
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Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Zorc22 » 13. Juli 2019, 08:49

Moin,
ich hatte mich jetzt mal dem Motor zugewandt und war mehrmals gut erstaunt. Es gibt an der XL sowohl am Motorrad als auch am Motor sehr viele kleine und große Besonderheiten und Ideen die dort verwirklicht wurden die einfach toll sind. Hier scheinen die Buchhalter noch nicht das Sagen gehabt zu haben. Also eigentlich klasse.
Als ich den Motor geöffnet habe fiel mir das handwerkliche Mißgeschick der Vorbesitzer vor die Füsse : einfach alles kaputtgemacht, aus Dummheit, Unkenntnis was weiß ich.
Zuerst konnte ich sehen das quasi alle Gewinde mit HeliCoil Gewindeeinsatz versehen waren. Einerseits gut, andererseits hat da wohl jemand zuviel Kraft gehabt. Durch das Kerzenloch konnte man dann einen Teil des Gewindeeinsatzes im Brennraum baumeln sehen - hatte sich gelöst.
Im Ventildeckel waren mehrere Stellen mit 2 Komponentenkleber geflickt. Es dauerte etwas bis ich den Grund sah : Man hatte wohl erfolglos versucht die Hohlstifte zum Halten der Kipphebelwelle zu entfernen. Bei der einen Welle war das ein Stück Guss herausgebrochen und geflickt worden. Bei der anderen hatte man dann von oben ein Loch in den Deckel gebohrt um den Stift von der anderen Seite herauszuschlagen. Loch verschlossen mit Kleber :cry:
Das die beiden VErschlußstopfen im linken Deckel nur noch in Fragmenten vorhanden waren ist wohl schon normal.
Ich glaube, der größte Fehler an manchen Motorrädern ist der Besitzer. Nun gut, ich habe alles ausgearbeitet und mit industriellem Kaltmetall von Belzona repariert. Es hält zumindest.
Immerhin sah es hinter den Seitendeckel noch gut aus und das Ölsieb war ohne Inhalt. Nockenwelle samt Lagerstellen sah gut aus und der Zylinder hat auch keine Riefen. Das ist die "Habenseite" :?
Gruß
Roger
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hiha
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von hiha » 13. Juli 2019, 14:34

Ja, is leider durchgehend so, besonders bei Einzylindern. Wenn heut einer eine mit "revidiertem Motor" verkaufen will, ist das für mich ein Grund, weniger zu zahlen, oder erst garnicht zu bieten...

Gruß
Hans

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cj
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von cj » 13. Juli 2019, 23:05

du hast übrigens einen riß vom kerzenloch zu einem einlassventil.
das ausgebaute ventil und der dazugehörige sitz sehen auch nicht toll aus.

problem ist halt dass jeder zweite depp meint an mopeds, oder autos, schrauben zu können.
oft muss man aber auch feststellen dass selbst ausgebildete mechaniker in einer werkstatt das nicht wirklich können. :(
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Zorc22
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Zorc22 » 14. Juli 2019, 07:55

Moin cj,
ich dachte auch erst es wäre ein Riss, es ist aber nur eine Macke im Material die nicht tiefer geht. Hatte es mit Rot/weiß Prüfspray kontrolliert.
Die Sitzflächen waren nach dem reinigen nicht traumhaft, aber in Ordnung. Habe sie kurz angeschliffen und einen Dichtigkeitstest mit Dieselöl gemacht - war dicht. Fräsen war mir jetzt dafür zu aufwändig. Unabhängig davon sieht es sehr traurig aus. Aber ich will keine Wüsten mehr durchqueren und zum Fischbrötchen essen wird es reichen :mrgreen:
Der Motor soll erstmal laufen. Ich habe noch einen anderen ( augenscheinlich guten und ungeöffneten ) Motor hier. Den nehme ich mir mal bei Langeweile vor.
Gruß
Roger
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Immerschraub » 14. Juli 2019, 10:21

Glaubt ihr wirklich,die Bastler sind dumme Deppen,nur weil sie nicht euer Fachwissen haben. Sorry dann seit ihr die dummen Deppen. Jeder fängt da bei 0 an und manche wissen sich eben nicht anders zu helfen. Aber diese Bastler als dumm und Deppen zu bezeichnen halte ich nun wirklich für unverschämt :evil: :evil: :evil:

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hiha
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von hiha » 14. Juli 2019, 12:11

Das hat doch keiner behauptet. Lies nochmal ohne die Negativbrille.
:roll:
Ausserdem hab ich auch bei null angefangen. Das ist noch lang kein Grund zu pfuschen, Gewinde rauszureissen, und sich keinerlei Gedanken um die Funktion der Einzelteile, und ihr Zusammenspiel zu machen.
Hans

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Zorc22 » 14. Juli 2019, 12:38

Mein lieber immerschraub,
nein - das hat keiner behauptet.
Aber es gibt doch sehr viele die ihr Wissen / Können überschätzen und einfach drauflos basteln. Es gibt doch ( gerade bei Ebay ) unzählige Angebote bei denen ein komplett zerlegter Motor ( vo 12 Jahren zerlegt ) dabei sind.
Und das Gewinde in Alu oder Magnesiumgehäusen empfindlich sind sollte man schon beherzigen. Wie viele schrauben daran rum ohne einen passenden Drehmomentschlüssel zu haben ? Oder überhaupt ohne passendes Werkzeug zu haben ? Wieviele sind sogar schon zu geizig um sich ein Werkstatthandbuch zu kaufen ? Dann werden in Foren Fragen gestellt bei denen man erkennt das grundlegende Basics nicht bekannt sind.
Ich weiß zB bei mir : Elektronik ist nicht mein Ding. Wenn der Fernseher nicht läuft gucke ich nach der Sicherung. Dann messe ich nach ob das Netzteil sekundär die passende Spannung ausgibt. Wenn das der Fall ist -> dann bin ich raus und lasse den Fachmann ran.
Ich habe selbst Leute erlebt die beim winterlichen Putzen an ihrer Harley übermannt wurden und angefangen haben das Moped ( und den Motor ) teilweise zu zerlegen - mal gucken warum er so gut läuft. Anschließend darf dann die Werkstatt den Mist wieder zusammenbauen.
Ich kriege schon immer die Krise wenn ich an Autos oder Mopeds Lüsterklemmen sehe oder Leute mit Sanitärsilikon rumsauen. :evil:

Gruß
Roger

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Max der XL 250te » 14. Juli 2019, 17:08

Hallo zusammen,
beim Selberschrauben zahlst Du am Anfang meistens auch Lehrgeld. Und dann trennt sich etwas später die Spreu vom Weizen. Die einen lernen dazu, die anderen murksen ihr Leben lang weiter. Ist im übrigen in den sog. "Fachwerkstätten" nicht anders.
Bin neulich mit dem Auto liegen geblieben, Batterie leer gefahren. Wurde abgeschleppt, Sicherungsträger auf der Batterie verkokelt, alle Sicherungen ganz. Wird also als erstes getauscht. Die Plastescheis.. kostet, ohne Sicherungen und ohne Deckel 70 € plus Einbau. Das war es aber nicht. "Gezielte Fehlersuche" laut Rechnung für ca. 90€ hat dann die Lima als Übeltäter identifiziert. Habe dann ca. 170 bezahlt als ich das Auto abgeholt habe, nachdem man mir nicht schonend beigebracht hat, dass eine neue Lima nochmal 350 + Einbau kosten soll....
Bei einem 20 Jahre alten Golf, die haben Sie doch nicht mehr alle, wenn Du für die Karre nagelneue Limas ab 55,-€ findest. Ist natürlich eine Frage des Budgets und der Liebe zum Fahrzeug, aber für die Hälfte der aufgerufenen 350,- sollte man schon etwas finden, welches den Rest von dem Auto überlebt. Ich habe dann das Auto mit Begleitschutz durch meinen Schwiegervater abgeholt und bin auf Batterie nachhause gefahren. Letztendlich waren es Übergangswiderstände im Kabelschuh von der Lima auf den Sicherungsträger, den ich für 10 € beim Bochservice habe erneuern lasse. Ich habe dann noch einen 5er in die Getränkekasse gesteckt und war fertig. Die Lima hat zwar ihre besten Zeiten hinter sich, aber die war nicht ursächlich verantwortlich dafür. Soviel zur gezielten Fehlersuche, die haben einfach den nicht vorhandenen Ladestrom entdeckt und wollten mir eine neue Lima auf Verdacht einbauen, oder waren tatsächlich der Meinung, dass sie den Fehler gefunden haben. Das hätte aber das Problem an sich nicht gelöst. Den Fehler habe ich im übrigen selbst gefunden und das hat nix gekostet...
Könnte ganze Romane über Murks und Werkstätten schreiben, aber weder Ihr noch ich haben die Zeit dafür übrig. Musste das gerade mal los werden. Vielen Dank für Geduld und Aufmerksamkeit, Max

PS: Sorry für OT
Zuletzt geändert von Max der XL 250te am 15. Juli 2019, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Immerschraub » 14. Juli 2019, 22:09

Übergangswiderstand im kabelschuh oben im Sicherungskasten ist ne alte krankheit bei VW. Neue Leitung von Lima zum Kasten legen und Ruheist

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Max der XL 250te » 14. Juli 2019, 22:33

@ immerschraub,
mir brauchst Du das jetzt nicht mehr mitteilen, trotzdem Danke. Wäre schön, wenn hier oder an anderer Stelle, die "F(l)achbetriebe" sich mal ein bisschen Input holen würden.
V G, Max

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Jörg » 15. Juli 2019, 09:51

Hey, selber in Ruhe bei einer Zigarette einen Fehler suchen ist eine Sache. Wenn die Uhr läuft, eine Kupferwurm finden, eine andere.
Mag auch keine Werkstätten, aber erst hinbringen und danach aufregen und meckern sollte man auch vermeiden. Wenn man meint, man kann das besser, fängt man selber gleich an den Fehler zu suchen.
Habe mittlerweile etwas Mitleid mit den KFZlern, wenn da ältere Fahrzeuge kommen und ein Kunde nicht realisiert das die Stunde Fehlersuchen Summe X kostet. Das der defekte Schnuppi nur ein paar Euro kostet ist fast immer der Fall.
Wenn das kein Monteur steht, der aus seiner Erfahrung schon ungefähr weiß wo man Suchen sollte kann das schnell unangenehm werden.
Aber egal.
Ich freue mich mittlerweile über zerschraubte XL Motore, da die früh den Tod gestorben sind und Teile die man braucht oft noch sehr gut sind.
Wenn dann noch der Kopf heile ist, was natürlich so gut wie nie vorkommt, um so besser.
Habe gerade mal gezählt , 18 Kurbelgehäuse liegen bei mir hier rum, da hat man an Basteleien schon einiges gesehen.
Aber es gibt immer noch neue verrückte Sachen die man noch nie gesehen hat.

Gruß Jörg

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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Zorc22 » 15. Juli 2019, 19:18

Moin,
in Werkstätten treten heutzutage leider zwei Probleme auf : erstens Zeitmangel, zweitens nicht immer das passend geschulte Personal.
Verständlicherweise sind die heutigen Mechaniker auf heutige, aktuelle Modelle geschult - muß auch so sein. Computer, OBD, Angabe des Fehlers, Austausch der Steuergeräte --> hoffen das es das war.
Wenn diese lustige OBD Dose nicht am Fahrzeug ist ---> langes Gesicht. Und nicht jede Werkstatt hat noch einen "alten Mitarbeiter" der sich damit auskennt oder alternativ einen der mal andere Wege gehen mag.
Mit älteren Fahrzeugen ( die ich auch habe ) ist man dann andernorts oft besser aufgehoben - eben zB bei Bosch oder 1A Autoservice.

Zum eigentlichen Thema : wer macht so etwas , wer quält einen Krümmerstehbolzen so gemein ? :cry:
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von cj » 16. Juli 2019, 00:22

ich liebe auch die leute die schalthebel und/oder kettenritzel auf den wellen verschweissen. :wall:
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von 500one » 16. Juli 2019, 12:39

Zu den Passstiften an den Kipphebeln ist zu sagen, besser nur die ungehärteten Originalteile verwenden! Alles andere ist unangenehm bis gefährlich. Garantiert ist der Guss an der Stelle gebrochen weil jemand einen 'Standard' 5er Passstift reingehämmert oder rausgezerrt hat.
Ansonsten verstehe ich den Kritikpunkt gut. Ich habe mich an meinem Moped auch oft genug über planlose Maßnahmen des Vorbesitzers geärgert :-( Pfusch vor Verkauf ist besonders ärgerlich.
VG
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Re: Die meisten Mopeds werden kaputtgebastelt

Beitrag von Dominik » 17. Juli 2019, 14:03

@Jörg
Es ist wirklich wohltuend und erfrischend, wenn ein Thema einmal differenziert betrachtet wird und nicht immer nur das Schwarz-Weiß-Schema zum Einsatz kommt. Passiert viel zu selten!

:top:

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